Werte leben: Was ist Würde und wie lebe ich sie?

In Würde leben und sterben

Würde kann einer unserer Werte sein.

Würdevoll zu leben, in Würde zu altern und würdevoll sterben.

Das Wort „Würde“ lässt eine bestimmte Seite in uns klingen.

  • Was aber ist es genau?
  • Wie ist ein würdevolles Leben?

Hast du vielleicht das Bild einer Königin vor Augen, die hoheitsvoll in die Menge winkt?

Oder eine zerbrechliche Greisin, die sich selber die Schuhe anzieht und dabei voller Geduld eine halbe Stunde braucht, bis die Füße tun, was sie will?

Und das ohne Wut oder Ärger auf sich selber?

Die das Leben einfach so nimmt wie es ist?

In diesem Artikel wollen wir uns der Würde (damit wir nicht Suchmaschinenspamming machen, schreibe ich ab jetzt „W“) würdevoll nähern – und sie von mehreren Perspektiven betrachten.

Damit wir sie nicht allzu eilfertig abgeben.

Zu diesem Beitrag haben wir dir im 

Festival der Sinne-Club

die Arbeitsblätter "Problemlösung mit Hilfe des Werteprozesses", "Selbstliebe Checkliste" und das Audio "Meditation Selbstliebe" vorbereitet.

Würde macht uns stark – als Einzelne und als Gesellschaft

Der Neurobiologe Gerhard Hüther hat über W sein Buch in der 4. Auflage 2019 herausgebracht. Gerade zum passenden Zeitpunkt. Denn gerade jetzt ist es wichtiger als zuvor, sich über das Gedanken zu machen, was hinter dem Wort und dem Wert steckt.

Die Frage: „Ist eine Gesellschaft ohne Würde noch etwas wert?“ drängt sich mir immer häufiger auf. Und daher schlage ich Gerhards Buch immer wieder einmal auf, um da und dort nachzulesen.

Würde ist in unserem Grundgesetz verankert. Gleich im Artikel 1 steht geschrieben: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Doch was bedeutet das genau?

Was ist Würde für uns und wie oder woran erkennen wir, dass sie uns genommen wird?

Im Buch setzt er sich mit den Fragen auseinander:

  • Wird uns unsere Würde genommen, weil wir nur mehr als Datensatz zählen oder im Netz geschmäht werden?
  • Ist es, wenn wir uns selber würdelos verhalten oder andere entwürdigen?

W. ist nicht alleine ein ethisch-philosophisches Menschenrecht. Sie ist ein neurobiologisch verankerter innerer Kompass, der uns Menschen in die Lage versetzt, uns trotz vielfältiger Anforderungen und Zwänge in einer hochkomplexen Welt nicht zu verlieren.

Es ist so wichtig, die Wahrnehmung der eigenen W. zu stärken, denn:


Wer sich seiner W. bewusst ist, ist nicht mehr verführbar.

Der würdelose Umgang mit unserer Natur

Gerhard schreibt über all die Entwicklungen, die sich in der Welt abspielen – da werden menschliche Embryonen ohne Eltern im Glas gezüchtet, Klone von Haustieren erzeugt oder gar Emotionen per Mikrochip im Kopf gesteuert.

Und weil das alles so wunderbar aufregend ist, vergisst man dabei das Menschsein und die Natur.

Wenn Gerhard auf seiner Gartenbank sitzt, vermisst der das Summen der Insekten im Lindenbaum. Der letzte Imker hatte im Vorjahr aufgegeben. Da alle Bauern ihre Felder nahtlos spritzen, überleben Insekten kaum mehr.


Wenn die letzte Biene stirbt, stirbt auch der Mensch.


Und wir lassen unsere Lieben genauso dahinsiechen, wie unsere Natur: Sterbende werden aus ihrer häuslichen Umgebung gerissen und in Hochleistungszentren gebracht, wo ihr Leben – koste es was es wolle – verlängert wird. Was dabei niemanden interessiert – lebt es sich noch würdevoll, wenn man nur mehr durch Technik und Chemie am Leben erhalten wird?

Mein Großvater und meine Cousine wurden so lange gequält, bis ihre Körper endlich aufgaben und ihre Seelen in Gnade entlassen wurden. Täglich wurde ihnen Hoffnung von neuen Therapien, neuen Arzneimitteln gemacht – was fehlte war die W. endlich sterben zu dürfen. Im Kreis der Familie und in Liebe.

Blume des Lebens - Clubbereich

Hole dir unseren kostenfreien SinnesLetter!

Monat für Monat ein Thema in knackigem E-Mail-Format.

Zum Nachdenken und Umdenken.

Eva Laspas

Kommen Sie zur Leserschaft unserer Festival der Sinne-Familie

Einmal pro Monat kostenfrei das Monatsthema in mundgerechten Happen, sinnvolle Termine und eine ganz besondere Überraschung per pdf - exklusiv für Sie.

Und auch meine 92 jährige Großmutter, die nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt und in ans Bett gefesselt war, durch eine Magensonde ernährt in ihrer Welt im Pflegeheim lag – voller Stolz erzählten uns die Pflegerinnen, dass man sie „schon wieder zurückgeholt hätte, weil sie sich ‚davonschleichen‘ wollte.“ Das ging so eine Weile, bis meine Mutter einmal nachfragte, was der Sinn dabei sei, ihre Mutter weiterhin zu quälen und ob es nicht besser für ihre Mutter wäre, endlich gehen zu dürfen? Dann war endlich Ruhe und sie durfte das nächste Mal bei dieser Türe hinausgehen.

Würdelos.

Ich habe meine Patientenverfügung schon ausgefüllt.

Würdevoll leben im Alter – ein Vorzeigemodell

Natürlich haben wir Angst vor dem Älterwerden.

Wir haben ja auch nur ein Vorbild vom Älter werden, das Angst machen kann.

Wenn wir es zulassen.

Doch warum glaubst du, kommen genau jetzt Menschen wie Joe Dispenza und viele andere auf die Spur der „Gedanken kreieren Wirklichkeit“?

Damit wir im Topf kräftig umrühren. Und unseren Kinder und Kindeskindern ein völlig anderes Älter vorzeigen werden.

Denn Älterwerden kann anders sein. Alt sein und auch Sterben kann anders sein.

Wir müssen nur eine Prise Würde dazugeben.

Und uns nicht in Gedankenmodelle verstricken lassen, die unsere Eltern und Großeltern angefertigt hatten.

Lies hier diesen Gedanken weiter beim Artikel „Gedanken um das Älter werden und das Alt sein: Was können wir jetzt ändern?

Selbstbestimmt sterben

Sie nennt es weggehen“ heißt das Tagebuch eines selbstbestimmten Sterbens, geführt von Gert Eckel, der seine Partnerin verloren hat.

Im Artikel: „Abschied nehmen – Sterbebegleitung“ schreibe ich mehr darüber:

Er schreibt: „Wir erlebten Anfang und Ende in einer einzigen Zeit, komprimiert und unglaublich intensiv. Wir konnten uns belächeln, ich ihren Glauben und sie meinen Unglauben. Nie war sie ohne Würde, nicht einen einzigen Augenblick, aber sie sprach von der Kraft, die sie aufzuwenden hatte, diese Würde zu bewahren.“ Und als sie dann weggegangen war: „Ein ganz feines Lächeln umspielte ihre Züge, die auf zutiefst anrührende Weise lebendig wirken. Dieses Lächeln war eindeutig vorher nicht da, als sie noch im Diesseits lebte…“

Mehr darüber hier lesen.

Soweit haben wir jetzt Aspekte der W. beschrieben.

Doch was genau ist Würde?

In Wikipedia steht sinngemäß: „W. bezeichnet meist moralische Werte, oder einen Rang einer Person. Oder aber auch Ämtern, einem sozialen Status – wobei es hier auch eine Abstufung der W. gibt…“

Das ist nun nicht genau das, was ich unter W. verstehe.

Denn damit wäre W. tatsächlich auf das huldvolle Winken königlicher Hoheiten reduziert und für „Normalbürger“ nicht gültig.

Ich erkenne, W. ist ein Gefühl.


Das Gefühl, Teil der Schöpfung zu sein.


Und damit gehen viele weitere Werte einher: Augenhöhe, Achtsamkeit, Herzensliebe und Hingabe.

Doch – wie läuft es gerade jetzt?

Kann es sein, dass uns das Gefühl der W. schon so lange abhandengekommen ist, dass wir es gar nicht bemerken, wenn uns auch der letzte Rest genommen wird?

Dass wir daher nicht widersprechen, wenn unsere Familienmitglieder abgeholt werden, damit sie alleine am Krankenhausflur sterben gelassen werden?

Dass wir nicht widersprechen, wenn wir von oben herab regiert werden?


Es ist die Menschenwürde, die uns fehlt.


Allerdings ist es kein Wunder, dass wir sie nicht mehr kennen, denn wir gehen weder mit Tieren noch unserer Umwelt würdevoll um.

Warum sollten wir mit uns selber anders umgehen?

Gerhard Hüther schreibet in seinem Buch: „Das Gespür dafür, was es braucht, damit es sein Menschsein entfalten kann, bringt jedes Kind bereits mit auf die Welt“

Es ist also ein Gefühl.

Und es hängt mit uns zusammen.

Wir haben es – aber es kommt uns abhanden – es wird uns genommen.

Hier schließt sich also der Kreis dieser Themeninsel „Vom Sein und Schein – Werte geben dem Leben Sinn“.

Wir kehren zu unseren Werten zurück, entdecken die Authentizität und haben unsere Regeln, Ethik und auch Moral betrachtet.

8 Fragen, um der Würde auf die Spur zu kommen

Gerhard: „Unsere Würde zu entdecken, also das zutiefst Menschliche in uns, ist die zentrale Aufgabe im 21. Jahrhundert. Ohne diesen inneren Kompass laufen wir in einer zunehmend komplexeren Welt Gefahr, die Orientierung zu verlieren." In diesem sehr persönlichen Buch zeigt er, wie wir unsere W. zurückgewinnen.

Wenn du dir jetzt ein abschließendes Wort über die Würde erwartest – das wirst du hier nicht finden. Werte sind wie immer etwas, worüber du nachdenken darfst. W. ist ein Gefühl, das dem Sein innewohnt.

Ich fühle es in mir drinnen, es ist eine Kraft, die es macht, dass ich anderen Lebewesen – Menschen, Tieren, Pflanzen und anderen auf Augenhöhe begegnen kann. Und mit dem Herzen kommuniziere.

Die Kapitel im Buch „Würde“ von Gerhard Hüther mögen dir dazu dienen, über das Wort W. nachzudenken – die Antworten, die Gerhard gefunden hat, liest du in seinem Buch.

Eva Laspas, Herausgeberin

Hast du es schon bemerkt?

Wir verzichten bewusst auf nervige blinkende Banner von Drittanbietern. Wir freuen uns daher, wenn du von unseren Partnern kaufst, unsere eigenen Bücher bestellst oder solche, die wir am Ende der Artikel empfehlen. Und wie lieeeben es, wenn du uns weiter empfiehlst. Vielen Dank und Namaste. 😉

Frage dich:

  1. Wie ist deine Vorstellung von W?
  2. Weshalb braucht es eine Vorstellung von W?
  3. Wie verankern wir unsere Vorstellung von W in unserem Gehirn?
  4. Woher kommt das eigene Empfinden von W?
  5. Wie entsteht das eigene Bewusstsein für W?
  6. Wie kann ich anderen helfen, unser aller W bewusst zu werden?
  7. Was wird aus uns, wenn das Bewusstsein von W zu wachsen beginnt?
  8. Wie wäre es, wenn wir in W leben, ehe wir in W sterben?

Buchtipp

Würde

Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft

Gerhard Hüther

Verlag Pantheon

ISBN 978-3-570-55393-0

Was genau ist würde und wer hat sie? (PIn)
8 Fragen, der WÜrde auf die Spur zu kommen (Pin)
Werte leben: Was ist Würde und wie lebe ich sie? (Pin)

Bilderverzeichnis

Hinterlasse einen Kommentar: