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Migräne – Spezieller Kopfschmerz

Migräne wegbekommen
Foto: © vectorfusionart, fotolia.com

 

Früherkennung, Diagnose und Behandlung von Migräne

Auszug aus dem Buch „Gesundes Gehirn“, Dr. Udo Zifko, Verlag Aducation

Die Migräne gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen und tritt bei 12% aller Erwachsenen auf. Frauen sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer. Die Migräne ist auch eine häufige Erkrankung im Kindes- und Jugendalter, wobei Buben und Mädchen gleich häufig betroffen sind. Die Migräne kann ab dem 3. Lebensjahr auftreten.

Die Migräne hat sehr unterschiedliche Erscheinungsbilder und kaum ein Migräneanfall gleicht dem anderen. Es ist auch möglich, dass ein Patient teilweise Migräneattacken mit oder ohne vegetative Begleitsymptome wie Übelkeit oder Erbrechen hat. Dies macht manchmal das Erkennen und den Einsatz der richtigen Therapie schwierig. Weiters ist zu beachten, dass Patienten mit Migräne genauso an anderen Kopfschmerzformen leiden können und so ist die möglichst exakte Differenzierung für den Therapieerfolg entscheidend.

 

Typischen Symptome einer Migräne:

  • Attackendauer zwischen 4 und 72 Stunden
  • Einseitige Lokalisation, selten auch beidseitig über der Stirne
  • Pulsierender Schmerzcharakter
  • Mäßige bis starke Schmerzintensität (Der Patient ist in seiner Tagesaktivität beeinträchtigt)
  • Verstärkung bei körperlicher Aktivität
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Lichtempfindlichkeit und/oder Lärmempfindlichkeit
  • Große körperliche Müdigkeit nach dem Migräneanfall

 

Bei der Migräne mit Aura, also Begleitsymptomen, der sogenannten klassischen Migräne, treten zusätzlich zu Kopfschmerzen und den vegetativen Begleitsymptomen von Übelkeit und Erbrechen noch unterschiedlichste Symptome vor Beginn der Kopfschmerzen auf. Die Migräneanfälle, werden entsprechend der Erscheinungsform in verschiedene Untergruppen aufgeteilt:

 

  • Migräne ohne Aura – einfache Migräne
  • Migräne mit Aura – klassische Migräne + Untergruppen
  • Migränekomplikationen
  • Migräneartige Störungen, die nicht die obigen Kriterien erfüllen

 

Besonders gefährlich ist, dass eine langdauernde und intensive Migräneattacke, insbesondere bei gleichzeitig bestehenden Gefäßrisikofaktoren, auch zu einem Schlaganfall führen kann. Der ischämische Insult infolge einer Migräneattacke gehört zu den häufigen Schlaganfallursachen bei Frauen unter 40 Jahren.

 

Diagnose:

Eine exakte Diagnostik in Form einer ärztlichen Untersuchung ist für die weitere Behandlung wesentlich. Sehr häufig kommen PatientInnen erst dann zum Arzt, wenn die selbst eingenommen Schmerzmittel nicht hilfreich waren. Gerade die Einnahme von herkömmlichen Schmerzmitteln ist bei der Migräne meist völlig wirkungslos, bis auf die möglichen Nebenwirkungen. Diese können bei einer zu häufigen Schmerzmitteleinnahme oft auftreten und können ab 15 Tabletten pro Monat über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten zu einem sogenannten medikamentenabhängigen Kopfschmerz führen. Wenn Patienten erst dann zum Arzt gehen, wird die gesamte therapeutische Einstellung deutlich schwerer, als wenn dies zu einem frühen Zeitpunkt erfolgt.

Der wesentlichste Teil der Diagnose ist das fachärztliche Gespräch und die klinisch-neurologische Untersuchung. Bei der Erstdiagnostik ist, bei noch so eindeutig scheinender Symptomatik, eine Bildgebung und meist auch eine EEG-Untersuchung erforderlich.

Je nach Art der Beschwerden und/oder begleitenden Symptomen oder anderen Kopfschmerzen sind weitere Untersuchungen unerlässlich.

 

Schritte zur richtigen Diagnose

  • ausführliches Patienten-Arzt-Gespräch
  • klinisch-neurologische Untersuchung
  • Elektroencephalographie (EEG)
  • Weitere Untersuchungen abhängig von Anamnese und klinischer Untersuchung:
  • Blutuntersuchung
  • Computertomographie
  • Magnetresonanztomographie
  • Doppler-Duplex-Sonographie der Halsgefäße
  • Röntgen der Wirbelsäule

 

Abgrenzungen zu anderen Kopfschmerzarten:

Neben dem Migränekopfschmerz gibt es weitere andere primäre Kopfschmerzformen. Dazu gehören:

  • Spannungskopfschmerz
  • Cluster Kopfschmerz
  • Medikamentenkopfschmerz

Da der Cluster Kopfschmerz ebenfalls attackenartig mit ausgeprägter Schwere auftritt und häufig von Patienten mit einem Migränekopfschmerz verwechselt wird, ist es wichtig, derartige Schmerzzustände vom Arzt abklären zu lassen.

 

Sekundäre Kopfschmerzen:

Dies sind Kopfschmerzen, welche durch eine andere Erkrankung, innerhalb oder außerhalb des Kopfes entstehen.

 

Einige Erkrankungen mit sekundärem, plötzlichem Kopfschmerz:

  • Subarachnoidalblutung (Blutung unter die Arachnoidea – Teil der weichen Hirnhaut)
  • Hirnblutung (Blutung direkt in das Hirngewebe)
  • Bluthochdruck
  • akutes Glaukom
  • Gefäßerkrankungen
  • bakterielle Meningitis
  • Schlaganfall
  • und andere

 

Zahlreiche andere Erkrankungen, die zum einem sekundären Kopfschmerz führen, welche meist von chronischem Charakter sind, werden in der nachfolgenden Tabelle angeführt:

 

Einige Erkrankungen mit sekundärem, chronischem Kopfschmerz:

  • Hirntumor
  • Hirnabszess
  • Erkrankungen der Zähne, des Schädeldaches und der Kiefergelenke
  • Erkrankungen der Halswirbelsäule
  • virale Meningitis
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Hirndrucksteigerung
  • Und andere

 

Kindliche Migräne

Die kindliche Migräne ist eine nicht selten fehldiagnostizierte oder lange übersehene Erkrankung. Häufig wird die kindliche Migräne eher als Ausrede eines Kindes abgetan, teilweise auch, da die kindliche Migräne sehr unterschiedlich zur Erwachsenen-Migräne abläuft. Meist ist das Erbrechen viel seltener und die Symptome sind ein dumpfer, beidseitiger, starker Kopfschmerz. Kinder sind in dieser zeit sehr stark in ihren Aktivitäten eingeschränkt und ziehen sich häufig zurück. Migräneattacken während der Schulzeit werden zwar meist „ausgesessen“, eine entsprechend deutlich schlechtere Schulleistung ist dann die Folge. Begleitsymptome wie Sehstörungen, etc., treten nicht auf.

Eine unbedingte kinderärztliche und/oder nervenfachärztliche Abklärung ist unerlässlich.

Therapeutisch hilft meist eine Lebensstiländerung. Nicht selten sind eine falsche Ernährung oder ein Flüssigkeitsmangel oder das Auslassen eines Frühstücks und eine dadurch zu lange Fastenzeit typische Auslöser für das Auftreten von Migräneattacken. Eine Selbstmedikation ist jedenfalls strengstens verboten und die Therapie gehört mit den Ärzten abgeklärt.

 

Auslöser der Migräne:

Die Migräne ist eine meist genetische Erkrankung und kann prinzipiell durch nichts gänzlich verhindert werden. Allerdings sind bei vielen Patienten bestimmte Triggerfaktoren vorliegend. Teilweise sind diese nicht veränderbar, wie hormonelle Ursachen oder Wetterwechsel. Zahlreiche Triggerfaktoren sind bekannt. Einige davon wären veränderbar.

 

Auslöser von Migräneattacken – Ursachen:

  1. Hormone
  2. Ernährung
  3. Psyche
  4. Verhalten
  5. Umweltfaktoren

 

Generell sollten vom Patienten mögliche Auslöser, nach den ersten Migräneattacken und nach der Diagnostizierung dieser als Migräne, selbständig beobachtet werden. Denn nicht jeder Patient hat zum Glück all diese Auslöser; diese sind individuell sehr unterschiedlich. Sofern veränderbare Auslöser festgestellt werden, gilt es unbedingt bestmöglich diese einzuschränken. Es ist aber darauf hinzuweisen, dass auch unter einer gänzlichen Ausschaltung von Auslösern Migräneattacken auftreten, meist ist aber die Häufigkeit und in manchen Fällen die Schwere der Attacke vermindert.

 

Therapie:

Wie eingangs beschrieben ist der wichtigste Punkt die fachärztliche Diagnosestellung, welche danach eine Therapie ermöglicht.

 

Säulen der Migränetherapie

  • Spezifische Migränemedikamente = Triptane
  • Schmerzmedikamente = Analgetika
  • Lebensstilmodifikation
  • Ernährung

Die richtige Wahl eines spezifischen Migränemedikamentes aus der Substanzgruppe der Triptane (z.B. Zomig®, Relpax®, Imigran®, Eumitan® u.a.) ist meist eine sehr wesentliche Hilfe zur Reduktion der Schwere und Dauer der Migräneattacke. Wichtig ist auch, je nach Migräneform, die richtige Darreichungsform des Medikamentes zu wählen. So bestehen neben den herkömmlichen Tabletten auch die Möglichkeiten einer Schmelztablette, welche nur unter die Zunge gelegt wird, oder eines Nasensprays.

Wichtig ist, die Medikation so früh als möglich zu nehmen. Meist fragen die Patienten „Woher weiß ich, wann früh möglichst ist?“ Dies ist der Zeitpunkt, wo der Patient erstmals daran denkt, dass es sich bei der Schmerzattacke um eine Migräne handelt.

Die Ernährung kann in der Prävention von Migräne eine sehr große Rolle spielen. Hierbei ist es zunächst wichtig, idealerweise durch das Führen eines Anfallskalenders, herauszufinden, ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Ernährung und Migräne vorliegt. Bestätigt sich dieser, ist eine Modifikation der Ernährung mit Sicherheit sinnvoll. Hierbei konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass ein bestimmter Anteil der Nahrung, nämlich die biogenen Amine, also Histamin und Tyramin, dazu neigen Migräneattacken auszulösen.

Möglicherweise können auch magnesiumreiche Nahrungsmittel einen gewissen protektiven Effekt zur Vermeidung von Migräneattacken ausüben. Magnesiumreiche Nahrungsmittel sind Getreideprodukte, wie Vollkorn, Naturreis, Gemüse wie Spinat, Broccoli, Kartoffel oder auch Samen wie Kürbiskerne, Sonnenblumenkern, Leinsamen und andere.

 

Die vier wichtigsten Ernährungstipps bei Migräne

  • Meide tryptophan- und histaminhaltige Nahrungsmittel
  • Entdecke individuell Nahrungsmittel als Migräneauslöser
  • Bevorzuge frische Nahrungsmittel und meide Konservierungsmittel
  • Modifiziere auf gesunde, ausgewogene und flüssigkeitsreiche Ernährung

 

Prävention von Migräneattacken

Sowohl durch eine gezielte Medikation als auch durch zahlreiche nichtmedikametöse Verfahren lässt sich die Frequenz und Intensität der Migräne gut beeinflussen.

Die Wahl des Medikamentes, die Dauer und Höhe der Therapie ist individuell sehr unterschiedlich und bedarf einer engen Arzt-Patienten-Kooperation.

 

Nichtmedikamentöse Therapieformen:

  • Biofeedback
  • Akupunktur
  • Homöopathie
  • Entspannungsverfahren
  • Lebensstil
  • und andere

 

Die Wirksamkeit der Biofeedback-Behandlung bei der Migräne ist in zahlreichen, gut durchgeführten wissenschaftlichen Studien eindeutig belegt worden.

Aber auch der zusätzliche oder alleinige Einsatz von gezielten Entspannungsmethoden, insbesondere die Meditation, Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung, können sehr gut die Häufigkeit der Migräneattacken reduzieren.

Bezüglich Akupunktur und/oder Homöopathie liegen sehr unterschiedliche Ergebnisse vor. Aus meiner Erfahrung ist der positive Effekt sehr gering. Generell kann ein Versuch damit, sofern vom Patient gewünscht, mit Sicherheit gefahrlos durchgeführt werden.

Die Lebensstilmaßnahmen sind u.a. ist das körperliche Ausdauertraining im Sinne der Gefäßstärkung, guten Entspannungsmethoden, ggf. das Erlernung einer Meditationstechnik oder auch autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Ähnliches.

Eine besonders gute Kombination von körperlicher Bewegung und Entspannung stellt Yoga dar. Hierbei gibt es unterschiedliche Yogaformen. Generell ist aber die körperliche Ertüchtigung mit gleichzeitiger Förderung von Koordination und Muskelkraft in Kombination mit Entspannung durch das Erlernen verschiedener Atemtechniken eine der besten Entspannungstechniken im weitesten Sinne und hilft vielen Patienten mit Migräne.

Kontakt:

Dr. Udo Zifko

Petra Wenzel
Obkirchergasse 3/Top 12, 1190 Wien

Mo + Mi 9:00-16:00
Di + Do 9:00-17:00
Fr 9:00-13:00

+43 664/639 36 23
www.gesundesgehirn.at

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