Zivilisationskrankheit Alzheimer?

 

Hintergründe und vorbeugende Lösungsmodelle

Rezension des Buches „Die Alzheimer-Lüge“ von Dr. med. Michael Nehls durch Eva Laspas

Einer amerikanischen Studie zufolge liegt die Tendenz über 50% an Morbus Alzheimer zu erkranken. Experten meinen, dass nahezu jeder Mensch Alzheimer bekommt, wenn er nur lange genug lebt. Eine Pandemie genährt durch unseren Lebensstil?

Autor Dr. med. Michael Nehls, Arzt und habilitierter Molekulargenetiker, schreibt in seinem 462 Seiten starken Buch mit stark wissenschaftlicher Hintermauerung: “Alzheimer, so wird uns weisgemacht, sei eine Begleiterscheinung der steigenden Lebenserwartung.“ Er erklärt in seinem umfassenden Werk, wie Alzheimer wirklich entsteht. „Alzheimer kann man nicht durch Medikamente vorbeugen, sondern nur durch eine Änderung des Lebensstils: genügend Schlaf und Bewegung, gesunde Ernährung und viel zwischenmenschliche Wärme. Und genau an diesen Faktoren mangelt es unserer heutigen Zivilisation.“

 

Morbus Alzheimer – Diagnose und Krankheitsverlauf

Die Diagnose Alzheimer ist nicht leicht zu stellen. Das liegt daran, dass keine spezifischen Symptome vorliegen, weder bei Beginn noch im Verlauf der Erkrankung, da es sehr viele verschiedene Formen von Demenz gibt, die ein ähnliches Krankheitsbild aufweisen. Außerdem haben einige dieser weiteren Demenzerkrankungen ähnliche Ursachen, sodass die Patienten häufig gleichzeitig an mehreren Formen von Demenz erkranken und dann Mischformen vorliegen. Um dennoch auf solider Basis Forschungsarbeiten durchführen und die Erbenisse von Therapieversuchen an Alzheimer-Patienten beurteilen zu können, wird die Alzheimer-Diagnose seit eingen Jahren weltweit nach denselben Kriterienkatalog (NINCDS-ADRDA) gestellt. Danach wird die Krankheitshäufigkeit ermittelt und versucht, realitätsnahe Prognosen zu erstellen. Er wird ständig um neue Erkenntnisse und diagnostische Methoden erweitert und verbessert. Es werden dabei drei Wahrscheinlichkeitsgrade unterschieden. „Vermutlich“ heißt es, wenn andere Formen von Demenz nicht sicher ausgeschlossen werden können. „Wahrscheinlich“ heißt es, wenn die typischen klinischen Symptome vorhanden sind, aber noch keine Hirngewebsuntersuchung vorliegt. „Definitiv“ heißt es erst danach, wenn der Patient tot ist und die Autopsie die klassischen neurologischen Veränderungen aufzeigt.

Nach dem NINCDS-ADRDA-Kriterienkatalog waren nun im Jahr 2005 weltweit ca. 24. Millionen Menschen an Alzheimer erkrankt. Dabei war die Rate gerade in den höher entwickelten nordamerikanischen und europäischen Ländern höher, dicht gefolgt von den industriellen Schwellenländern Indien, China und Brasilien.

Die größte Schwierigkeit, mit denen die Studien zu kämpfen haben, ist der Umstand, dass die Krankheit schleichend beginnt und sich die Diagnose über einen Zeitraum von Jahren von „vermutlich“ über „wahrscheinlich“ wandelt. Vorsichtige Schätzungen zufolge beginnt der Alzheimer-Prozess schon zehn bis 15 Jahre vor den ersten klinischen Zeichen – möglicherweise noch sehr viel früher.



Um die Patienten besser einordnen zu können, wurden nach dem Kriterienkatalog fünf klinische Unterscheidungen des Alzheimer-Krankheitsbildes entwickelt. Dr. Nehls beschreibt sie uns in leicht schnoddrigem Ton (vielleicht um uns aufzuwecken?) und in persönlicher Anrede. Ich gebe sie hier weit unpersönlicher und stark gekürzt wieder:

Die Phase 1 gilt als die vorklinische Erkrankung – wo der Krankheitsprozess schon begonnen har, sich aber keine Symptome zeigen. Mittlerweile hat man an Primaten festgestellt, dass wiederholte Alkoholexzesse in der Jugend und andere jugendliche Vorliegen, wie etwa hoher Zuckerkonsum oder Bewegungsmangel das spätere Alzheimer-Risiko erhöhen. Ebenso hat der frühe Verlust eines Elternteils einen messbaren Effekt, falls es den Betroffenen nicht gelingt, die Weichen anders zu stellen. Ungelöste seelische Probleme bleiben so womöglich auch langfristig nicht ohne Folgen.

„Schon heute liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr Leben mit der Alzheimer-Krankheit beenden werden, bei 50-90%, je nach Ihrem Lebensalter und Geschlecht. Sie können aber schon jetzt entscheiden, ob Sie nur auf zukünftige Medikamente hoffen oder – natürlich nur, wenn nötig – etwas an Ihrem Lebenswandel ändern…“, so Dr. med. Michael Nehls. „Wenn Sie aber nichts tun und einfach abwarten, dann wird mit einiger Wahrscheinlichkeit folgen, was als Phase 2 – die leichte kognitive Beeinträchtigung bezeichnet wird.

Hier zeigen die ersten klinischen Untersuchungen, dass die Hippocampi erkrankt ist. Der Weg durch das Tor zum Gedächtnis wird holprig… Die Persönlichkeit ist noch intakt, die Erinnerungsfähigkeit schon gestört, neue Erlebnisse werden immer schlechter abgespeichert, aber auch frühere Erlebnisse gehen nach und nach verloren, was die Patienten manchmal etwas mürrisch macht. Im Gespräch fallen immer seltener die richtigen Worte ein, die Sätze werden mit Füllwörtern gespickt. Ebenso verliert auch das entwicklungsgeschichtlich eng verwandte Riechhirn seine Leistungsfähigkeit. Mit modernen bildgebenden Verfahren wie dem Magnet-Resonanz-Imaging (MRI) können in dieser Phase schon Störungen entdeckt werden.

Dennoch ist in dieser frühen Phase noch nicht eindeutig vorhersehbar, ob die Krankheit mit Alzheimer enden wird. Doch 80% derer, die eine sehr deutliche und schnell zunehmende Störung der Erinnerungsfunktion aufweisen, entwickeln das Vollbild der Krankheit innerhalb der folgenden sieben Jahre, was dann als die Phase 3 (frühe Erkrankung) bezeichnet wird. In dieser Phase wird der geistige Verfall immer offensichtlicher, auch für den Patienten selber spürbar. Erhöhte Mengen an Alzheimer-Toxin und funktionsgestörtem TAU-Protein bewirken im Gehirn nun auch in anderen Gebieten Störungen. Die emotionale Intelligenz leidet, charakterliche Veränderungen treten plötzlich oder schleichend auf. Das Gefühl für Zeit und Ort geht verloren, Dinge werden an den unpassendsten Stellen verlegt, plötzliches Desinteresse an Hobbys und zunehmende Antriebslosigkeit sind ebenfalls Zeichen. Nun geht es mit Phase 4 zur „moderaten Erkrankung“ über. Dr. Nehls schreibt: „Durch die Neurodegeneration erhalten auch bis dato gesunde Neuronen keine Überlebenssignale mehr, die deren Suizid verhindern könnten. Dies markiert den vermutlichen „Point of no return“ also den Zeitpunkt, bei dem sich der nun fortschreitende Zerstörungsprozess auch durch eine Verhaltensänderung nur noch verlangsamen, aber nicht mehr aufhalten lässt. Die Entwicklung der Krankheit beschleunigt sich…“

Die Denkfähigkeit wird zunehmend eingeschränkt, langsam gehen auch frühere Erinnerungen verloren. Die Körperpflege funktioniert nicht mehr, die Persönlichkeit verändert sich stärker, Halluzinationen und Paranoia-Anfalle werden häufiger, fremde Unterstützung folgt ab dieser Stelle.

Das Gehirn wird nun stetig zerstört, Änderungen passieren im Rückwärtsgang. Von der emotional unsicheren „pubertierenden“ Phase, über die Phase des Wickelkindes bis hin zur embryonalen Phase, wo z. B. das Schlucken „verlernt“ wird. In der Spätphase, der Phase 5, reagiert der Patient nicht mehr auf den Betreuer, von dem er völlig abhängig ist. Ein 24-Stunden-Job, mit dem die Angehörigen völlig überfordert sind, daher verbringen 90% aller Alzheimer-Patienten ab diesem Stadium ihre letzte Zeit in einem Pflegeheim.

„Am wahrscheinlichsten beendet eine Lungenembolie das Drama.“, schreibt Dr. med. Michael Nehls und geht über, sein Lösungsmodell, ebenfalls wissenschaftlich untermauert, zu beschreiben.

 

Vorbeugen ist besser als Heilen

Die modere Alzheimer-Forschung benutzt als Tiermodelle Mäuse (sie besitzen zu 99% unser Genmaterial), um den Krankheitsverlauf besser verstehen und Therapien entwickeln und testen zu können. Diese Mäuse leben in einem Umfeld, das ihrer Gattung nicht üblich ist, nämlich im Labor.  Der Autor hat jahrelang mit Mäusen gearbeitet und dabei die erste Idee zu seinem Modell “Zivilisationskrankheit Alzheimer” erhalten. Eine solche Maus entwickelt die Krankheit oft viel früher, ausgeprägter und weist meist auch eine größere Anzahl der menschlichen Alzheimer-Charakteristika auf. „Der moderne Wissenschaftsbetrieb macht aus der „Jäger-und-Sammler-Maus“ eine „Couch-Potato-Maus“, die, so wie wir Menschen in unserem Zeitalter, die schädliche Trias aus Fast Food, Bewegungsarmut und mangelnder geistiger Aktivität erleben.“

Im folgenden „Hexagramm für menschliche Bedürfnisse“ die auf Grundlagen der Ergebnisse der Okinawa-Forschung, der Erkenntnisse der Evolutionsbiologie sowie unzähliger epidemiologischer, klinischer und molekularbiologischer Studien basieren, beschreibt der Autor Dr. Nehls sechs – in einem Hexagramm dargestellten – grundlegende menschliche Bedürfnisse. Sie stehen in logischer Beziehung zueinander, Mängel in jedem dieser sechs Bereiche erhöhen das Alzheimer-Risiko erheblich, warum genau, lesen Sie bitte im Buch nach.

In Kürze: Im Zentrum des Hexagrammes steht der logische Zweck unserer Existenz mit der „Weitergabe des Erbgutes“, es folgen Ernährung (artgerechte), Selbst (Schlaf, Achtsamkeit, Meditieren…), Bewegung (Ich denke, also laufe ich), Umfeld (Geborgenheit, zwischenmenschliche Wärme) und Zeit (chronischer und angeborener Stress).

Fazit: Bei Unsicherheit und bei möglichen bestehende Anzeichen den Facharzt zu Rate ziehen. In jedem Fall, lohnt es sich und schadet nicht, zusätzlich das Buch zumindest ab Seite 170 durchzuackern und sein Leben nach Verbesserungen zu durchforsten, das eine oder andere Aha-Erlebnis ist dabei nicht auszuschließen…

 

Buchtipp:

Die Alzheimer-Lüge
Die Wahrheit über eine vermeidbare Krankheit
Dr. med. Michael Nehls
ISBN 978-3-453-20069-2
Verlag Heyne


Bilderverzeichnis

  • alzheimer_heyne_nehls: de jerzy | pixelio
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