Warum es gut ist, dass wir immer älter werden

Das Beste kommt zum Schluss

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Die Krux des Älterwerdens oder das Beste kommt zum Schluss

 

Rezension des Buches „Das neue Zeit-Alter: Warum es gut ist, dass wir immer älter werden. – Geleitwort von Pater Anselm Grün“ von Lothar Seiwert durch Eva Laspas, Jahrgang 1966)
Kurz nach meiner Lehrabschlussprüfung als Drogistin, ich war damals 20 Jahre alt, hatte ich in meiner Lehrfirma eine eigene Filiale bekommen und sammelte durch fachkundige Beratung täglich mehr Stammkunden. Dabei war mir das Abzeichen„Geprüfte Drogistin“, das Gold schimmernd auf meinem Arbeitsmantelrevers prangte, sehr hilfreich. Denn ohne dieses Abzeichen galt mein Wort viel weniger, auf den Punkt gebracht hatte eine ältere Dame: „Geh’s was wissen denn Sie, Sie san jo noch so jung!“ Alt sein mag heute niemand, Jung sein ist aber auch kein Honigschlecken.

Schränkt uns das Alter ein?

In unserer Gesellschaft gilt ein Alter über 30 als „ab jetzt geht es bergab“ und tatsächlich fühlen sich viele Menschen (insbesondere Frauen) durch ihren 30 jährigen Geburtstag durch ihr Alter „bedroht“. Doch wie kommt es dazu? Wenn wir ehrlich sind, dann fühlen wir uns – so wir gesund sind – mit 30 auch nicht anders als mit 25 oder? Vielleicht etwas reifer an Lebenserfahrung, aber das ist ein eindeutiger Vorteil. Auch 40 Jahre zu werden, ist heutzutage kein Grund für Traurigkeit. Anders allerdings unsere Gesellschaft. Ab 40 werden die Arbeitsplätze knapp, wir gelten langsam aber sicher immer stärker als „Ausschussware“, die keiner mehr braucht oder will.

In Wirklichkeit sind wir aber nur teurer als die Jungen und lassen uns auch nicht so viel gefallen, uns macht keiner mehr so leicht ein X für ein U vor, oder? Körperlich sind wir mit 40 auch nicht viel schlechter dran als mit 30, naja, o.k. auf die Pflege kommt es an…

Fazit: Wenn wir die einzelnen Jahrzehnte vergleichen, dann schränken uns die Jahrzehnte körperlich mehr oder weniger ein, dafür jedoch gewinnen wir täglich mehr an Ressourcen dazu.

Ruhestand ist ein Konzept von gestern

Autor Prof. Dr. Lothar Seiwert zeigt in seinem Buch „Das neue Zeit-Alter: Warum es gut ist, dass wir immer älter werden.“, was wir zu gewinnen haben. Da ist Zeit, Sinn, Weisheit, Erfahrung. Das Älterwerden bietet neue Chancen, neue Familien- und Partnerschaftskonzepte und die Aufhebung von Arbeitszeit und Freizeit. Indem wir das älter werden in unserer Gesellschaft positiven Zustand definieren, indem wir lernen die Ressourcen des Alters für die Gesellschaft einzusetzen, wird es uns in den nächsten Jahren besser gehen, als wir es uns träumen lassen.

Wir, die Babyboomer-Jahrgänge waren schon immer für vieles die Vorreiter. Wir hatten eine relativ sorgenfreie Kindheit, die Wohlstandsjahre nach dem Krieg, wir konnten uns weitaus freier und gesünder entwickeln als unsere Elterngeneration, die durch die Kriegsjahre emotional stark belastet waren/sind. So rühren wir in jedem unserer Jahrzehnte kräftig um und schaffen neue Strukturen. Wir wollen mitreden, mitbestimmen und möchten uns weiterentwickeln. Und für das älter werden haben wir auch ganz andere Perspektiven als die, die wir im Moment gerade älteren Menschen aufzeigen.

Nicht das wir keine Angst vor dem Älterwerden haben, wir haben sogar große Angst davor. Vielleicht weniger vor dem älter werden als vor dem Dahinsiechen, vor dem Moment, wo wir unser Leben nicht mehr selbstbestimmt und in Würde Leben können. Und vor dem Verlust der Selbstbestimmung. Lothar Seiwert schreibt: „Irgendwann fügt jede weitere gelebte Stunde dem Leben nichts Positives mehr hinzu. Wir alle fürchten uns vor diesem Tag, an dem wir unser “Verfallsdatum” überschritten haben, ohne es zu bemerken. Da gibt es die leichten Fälle, die noch selber essen und zur Toilette gehen können. Am anderen Ende des Spektrums stehen diejenigen, die nur mehr den ganzen Tag im Bett liegen, gewickelt und gefüttert werden müssen und an die Zimmerdecke starren. Soll man erleichtert sein, dass in den meisten Fällen parallel zum körperlichen Verfall auch die geistige Fitness immer mehr nachlässt? Jedenfalls ist die Vorstellung, geistig „voll da“, aber in einem siechenden Körper wie in einem Gefängnis eingesperrt zu sein, für mich der reinste Horror.“ Und: „Dieses Szenario, in das ich mich hineinzuversetzen zwinge, ist für Tausende von älteren Menschen ganz normaler Alltag. Es kostet mich erhebliche Anstrengung, mir das bewusst zu machen. Wo bleibt dann überhaupt noch Freiheit?“

Es zeigt sich in allen Bereichen des Lebens, wir werden im Alter nicht mehr für voll genommen. Vielleicht ist das dann generationenübergreifend die Retourkutsche für das Nicht-voll-Nehmen, das wir (als Gesellschaft aber auch sehr oft als Familie) unseren Kindern und Jugendlichen angedeihen lassen? Sind sie dann froh uns, endlich das heimzahlen zu können, was sie all die Jahre durch uns durchlitten haben? So ganz ist das nicht von der Hand zu weisen. Oder gehen wir mit unseren Kindern und Jugendlichen respektvoll um?

Aber: „Wenn wir tun, was wir immer tun, bekommen wir die Ergebnisse, die wir immer bekommen. Systeme haben enormes Beharrungsvermögen – dagegen anzukämpfen hat etwas von Don Quichotte.“ Und doch, krempeln wir uns die Ärmel auf und ändern dieses System – bevor wir zu alt dazu werden und selber in der Falle sitzen.

Das integrale Lebensmodell – höheres Ziel mit höherem Sinn

Lothar Seiweit sieht im integralen Lebensmodell eine mögliche Lösung für unser Problem. Wenn wir unser Tun und Streben einem höheren Ziel und damit einem höheren Sinn unterordnen, schreiben wir dem Sinn sukzessive mehr Bedeutung zu. Dabei geschehen die Dinge, die geschehen weniger nach Plan als ungeplant. „Das integrale Lebensmodell integriert alles, was wir im Laufe unseres Lebens beruflich und privat erreicht haben, in unser aktives Tun und folgt damit einem höheren Ziel – einer Vision, die größer ist als unsere persönlichen Ziele. Und dabei geht es in erster Linie um uns als Menschen, die eine Ideen haben, einen Traum. Und dieser wird Tag für Tag mehr und mehr Realität. Es geht darum, unsere Erfahrungen und unser Wissen nicht in unseren Hirnzellen vermodern zu lassen und eines Tages mit ins Grab zu nehmen, sondern es lebendig zu halten und für etwas Lohnendes einzusetzen. Und die richtige Einstellung ist folgende: Je älter wir werden, desto dringlicher wir es für uns, endlich etwas zu tun, das vom Herzen kommt. Die Zeit wird immer reifer. Das Beste kommt zum Schuss!“

Das Buch

Kompakt zusammengefasst ist Lothar Seiwerts Buch humorig zu lesen trotz all seiner oftmalig bitteren Darstellung der traurigen Realität unserer Gesellschaft ums Älter werden. Der Ausweg aus dem Dilemma ist ein gesellschaftlicher Wandel weg von der Sinnlosigkeit, hin zu den Sinnstiftern und zu einem Leben mit Sinn. Wer mag, besucht auch einen der Vorträge von Lothar. Und dann nichts wie los und angefangen an diesem gesellschaftlichen Wandel mitzubauen!

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 Buchtipp:

Das neue Zeit-Alter: Warum es gut ist, dass wir immer älter werden. – Geleitwort von Pater Anselm Grün
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Warum es gut ist, dass wir immer älter werden
v. Lothar Seiwert
ISBN 978-3-424-20106-2
Verlag Ariston
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