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Waldspaziergang: Wie der Wald funktioniert und warum wir ihn brauchen

Wald genießen

Wann sind Sie das letzte Mal in einem Wald gewesen?

Einen richtigen Wald meine ich, keinen Kunstwald. Einen Wald, der dicht und schweigend ruht und die Geräusche der Umgebung schluckt.

Lebe frei! Das Buch von Eva Laspas

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In dem sich nach einer Weile unsere Ohren tatsächlich wieder öffnen, um die großen Stille aufzunehmen, wie ein verdurstender Körper bei einem Glas Wasser.

Dass der Wald gar nicht so still ist, fällt uns erst jetzt auf, wenn wir mit offenen Ohren weitergehen.

Die Geräusche des Waldes sind leiser als die der Stadt, das geschäftige Summen der Bienen der Lichtung.

Das Tock-tock-tock eines Spechtes in der Ferne oder das selten gewordene „Kuckuck-Kuckuck“, das uns jeden Ausflug in meiner Kindheit begleitet hat. Es hallt heute fast nur mehr als Echo in meinen Ohren.

Der Wald mit seinen dunklen Stellen, seinen plötzlichen Geräuschen, ein Rascheln da und dort plötzlich.

Oder aber wenn wir unachtsam sind, wenn wir durch den Wald gehen, wie wir es in der Großstadt gewöhnt sind, plötzlich das Stillwerden des Waldes als Warnung wahrnehmen.

Wenn jedes Wald-Geräusch plötzlich verstummt, bis wir erkennen, dass der Wald unseretwegen schweigt.

Wer weiß, sich im Wald noch zu benehmen?

Da wird gesungen, geschrien, laut geredet, Musik gehört, geraucht, Müll hinterlassen, sprich – die Würde des Waldes missachtet.

Bleiben wir aber andächtig stehen und atmen die majestätische Ruhe ein, verlangsamt sich unser Blut, wir werden ruhiger.

Und wenn wir eine Weile warten, dann erwacht der Wald auch wieder mit seinem Konzert.

 

Ein echter Wald?

Habt Ehrfurcht vor dem Baum, er ist ein einziges großes Wunder, und euren Vorfahren war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen von Minderwertigkeit eines Volkes und von niederer Gesinnung des einzelnen.
Alexander Freiherr von Humboldt (1769 – 1859),
deutscher Naturforscher, Begründer der physischen Geographie

 

Spüren wir uns hinein in diesen Lebensbereich, fühlen wir uns eins mit ihm, dann werden auch wir leiser und achtsamer.

Ehrfürchtig schreiten wir über die weichen federnden Pfade, staunend betrachten wir die tausenden Glitzersteinchen, wo das Sonnenlicht mit dem Tau in einem Spinnennetz spielt.

Schattenspiele, die wir nimmermüde betrachten können.

Pfade, von Tierfüßen geschaffen, ziehen unseren Blick tiefer in den Wald.

Da ein leises Glucksen – ein Bach, ein stilles Wasser, ein klares Nass.

Feuchte Stellen am Weg zeugen von den Gewittern letzte Nacht, der Wald dampft, die Sonne steigt höher, es wird dunstig, milde feucht, das Sonnenlicht flirrt durch die Dunstschwaden zwischen den Baumriesen.

Stetig steigt der Weg voran, bringt uns tiefer in die Höhe, tiefer in den Wald, tiefer in die Stille und Achtsamkeit.

Dort eine Lichtung, heiß und blenden empfängt uns die Sonne, wir entdecken am Rande in den Büschen etwas rotes – süße Himbeeren lachen uns an und laden ein, uns zu stärken, ehe wir weiterziehen.

Achtsam sind wir auch hier und nehmen nur eine Handvoll jeder …

 

Der Wald – ein Nachruf

Förster und Autor des Buches „Der Wald“ Peter Wohllebens hat jahrelange Erfahrung in Sachen Wald.

Am besten gedeihen die Wälder natürlich ohne uns Menschen. Er schreibt: „Wald kommt der Ursprünglichkeit unzerstörter Natur noch am nächsten. Der Lärm und die Hektik des Alltages scheinen in ihm zu verhallen. Wenn der Wind durch die Gipfel rauscht, die Vögel singen und das Grün der Blätter harmonisch in das Blau des Himmels übergeht, können wir tief durchatmen und entspannen …

Doch ist das wirklich intakte Natur, was wir da sehen?

Seit ich mich kritisch mit der eigenen Zukunft beschäftige, kommen mir viele Forste nur noch wie grüne Kulissen vor, hinter denen es ums knallharte Geschäft geht.

Die Tierwelt wird zum Teil an den Rand gedrängt und als lästiges Hindernis gesehen, Bäume nur noch als Holzlieferanten mit begrenzter Verweildauer begriffen…“

Peter lädt uns ein auf einen Spaziergang durch den Wald, als eine Entdeckungstour zu den letzten Geheimnissen vor unserer Haustüre. Kommen Sie mit?

 

Der natürliche Lebenszyklus einer Buche

Die größten Lebewesen, die jemals die Erde bevölkert haben, weilen noch unter uns.

Unter den Tieren sind es die Wale, in der Pflanzenwelt sind es die Bäume.

Sie sind auch in der Lebenserwartung ungeschlagene Meister. 2008 wurde im Schweden eine Fichte entdeckt, die krumm gewachsen einem Wurzelstock entstammt, der 9550 Jahre alt ist und bis heute munter und gesund lebt.

Doch in diesem Kapitel aus dem Buch „Der Wald“ geht es um die Buche.

Sie war früher die Königin der Wälder oder die Mutter des Waldes. Sie besitzt eine günstige Wirkung hinsichtlich Bodenfruchtbarkeit und Kleinklima, Peter weitet das auch noch auf ihren Charakter und ihre Lebensweise mit Artgenossen aus.

Im Frühjahr regt sich das zarte Grün im Laub eines alten Buchenwaldes, tausende Keimlinge durchbrechen ihre Samenhüllen und überziehen den Boden wie ein Heer von Schmetterlingen.

Nun beginnt der Kampf ums Überleben.

Bäume müssen wachsen, so rasch wie möglich, aber so langsam wie es gerade noch gesund ist.

Wenn Bäume viel Licht bekommen, können sie rascher wachsen, jedoch dann werden ihre Zellen dann nicht so stabil, der Stamm wird später bruchanfälliger, die Lebensdauer vermindert.

Damit also die jungen Buchen nicht so rasch wachsen, gibt es im Idealfall die alten Bäume, die mit ihren Blättern das Licht so reduzieren, dass die Buchenschmetterlinge gezwungen sind, langsam Holz zu bilden.

Die Zellen bleiben klein und dicht und dadurch auch unattraktiver für Pilze. Solche Bäume können sehr alt werden und bei Wind auch gut hin- und herfedern. Doch der schwache Lichteinfall lässt die Bäume nur bis zu 1cm pro Jahr wachsen, die Jungen können auch nicht ausreichend Zucker produzieren. Die Nährstoffversorgung wird eng.

 

In Verbindung mit den Eltern

Doch auch hier hat sich die Natur etwas ausgedacht – feine Wurzeln der Eltern verbinden sich im Untergrund mit den Wurzeln der Jungen und versorgen sie mit Nährstoffen.

So kann das Buchenkind auch 200 Jahre ausharren – denn weiter nach oben darf das Junge erst, wenn ein Elternbaum stirbt.

Wenn ein Elternbaum fällt, gibt es erst einmal ein natürliches Ausleseverfahren.

Abfallende Äste oder gar der ganze Baum reißen auch zahlreiche Jungbuchen mit sich.

Für den Rest aber bedeutet das Wachstum – dann durch die entstandenen Lücke gelangt nun ungefiltertes Licht zu den Buchensprösslingen. Doch nur Buchen mit gerade Stämmen kommen durch. Denn gerade Stämme sind stabiler. Krumm gewachsene Stämme halten nicht viel Wind aus.

Buchen wachsen daher in Gruppen, um sich gegenseitig Halt zu geben.

Sie schieben ihr Giebeldach Zentimeter für Zentimenter in die Höhe. Wächst ein Baum schief, dann verliert er den Anschluss und bleibt im Dunkel zurück. Seine mangelnde Nährstoffversorgung lässt ihn nach wenigen Jahren sterben und wieder zu Humus werden.

Durch den Verbund, in dem die Buchenkinder aufwachsen, lernen sie auch gleichzeitig, wenig Seitenäste zu bilden.

Es wahrer Baum wächst zielstrebig in die Höhe und vertut seine Zeit nicht mit dicken Nebenästen. Wer also den Fall der sterbenden Bäume, den Lichtmangel und die Wuchsrichtung gemeistert hat, der schafft es in die höchsten Schichten. Und das sind nur wenige. Die Chancen, dass aus einer Buchecker eine Buche stehen nur 1:1,7 Millionen.

Eine Buche wächst nicht alleine für sich hin, über die Wurzeln stehen sie mit anderen Artgenossen in Kontakt. Wie in einem Netzwerk werden hier Informationen über Insektenfraß ausgetauscht oder im Krankheitsfall auch Zuckerlösung weitergereicht. Dieser Verband macht Buchen besonders widerstandsfähig gegen Krankheiten und Klimaschwankungen.

Doch in den Massenpflanzenhaltungen spielt es sich anders ab. Von schützenden Elternbäumen keine Spur, auch keine unterstützenden Wurzeln eines Altbaumes in der Nähe… So ähnlich ist es bei der Massentierhaltung… Dort werden ebenfalls Lebewesen in großer Stückzahl produziert, um möglichst schnell Gewinn aus ihnen zu erzielen …

 

Haustierhaltung im Wald

Ein weiterer Stein des Anstosses ist die „Tierhaltung“ im Wald.

Rehe, Hirsche, Wildschweine dienen dem Menschen als Jagdobjekte, wobei die eigentliche Idee hinter dem Beruf „Jäger“ eigentlich die war, dass der Jäger die natürlichen Raubtiere ersetzen sollte.

Die natürlichen Raubtiere hat man erfolgreich vertrieben, da sie sich auch an unseren Nahrungsmitteln gütlich tun.

Nun können sich die Waldtiere ungehindert vermehren und schaden den Wäldern mehr, als sie nützen.

Wildschweinhorden zerwühlen den Boden im Herbst und fressen schon im Vorfeld die Bucheckern weg.

Die wenigen, die überleben und es zum ersten Grün schaffen, werden als Baumsprösslinge von Rehen abgefressen, und das nicht zu knapp, ein Reh möchte bis zu 1,5 kg solcher grüner Spitzen naschen.

Und wenn man bedenkt, dass 10 Triebspitzen ein Gramm ergeben braucht es pro Tag 15 000 Triebspitzen um einen Rehmagen zu füllen.

Rechnen wir weiter, dass die normale Population eines Waldes pro Quadratkilometer ein Reh betrifft, tatsächlich aber bis zu 50% mehr vorhanden sind, dann schaut es für unsere Laubwälder schlecht aus.

Leider gelingt es den Jägern nicht, die Population der Wildtiere zu dezimieren oder zu kontrollieren.

Im Gegenteil, durch diverse Wettbewerbe wird das Zunehmen der Sorten durch Zufütterung im Winter noch gesteigert, damit der Jäger eine Auswahl hat, um bei der Verteilung der Preise um das größte Geweih, etc. den ersten Platz zu erlangen.

Die Zufütterung (Traufen im Wald) soll den Tieren das Überleben im kalten Winter möglich machen, doch Natur hat auch bei Wildtieren vorgesorgt – Hirsche können ihre Körpertemperatur (und damit den Stoffwechsel) senken, damit sie mit weniger Nahrung auskommen.

Natürlich würden kranke oder schwache Tiere nicht überleben, aber auch das gehört zur natürlichen Auslese und würde die Population reglementieren. Der Wald, der Förster und wir alle haben das Nachsehen von der „Haustierhaltung“ im Wald.

 

Die Lösung durch Waldspaziergang

Die Lösung für den Wald heißt wiederum Umdenken.

Doch beim Umdenken tun wir Menschen uns halt schon immer schwer.

Und je älter wir werden desto unflexibler Neuerungen gegenüber scheinen wir zu werden.

Wie alten Bäumen gleich stehen wir starr und unbeugsam wichtigen Neuerungen gegenüber. Diese Starrheit gegenüber dem Neuen, sich stur auf das Althergebrachte zu versteifen, gepaart mit dem Gewinndenken ist Gift.

In jedem Bereich des Lebens, nicht nur im Wald.

Wir haben aber jetzt keine Zeit mehr zu warten, bis diese starren Bäume abgestorben und umgebrochen sind, damit jungen flexiblen Bäume der Zukunft aufstreben und ihre Ideen umsetzen können.

Ich glaube auch, dass das nicht der Weg ist.

Der Weg heißt jetzt nicht mehr, weg mit dem Alten, her mit dem Neuen und schauen wir dann halt einmal, was davon alles Gut gehen mag.

Der neue Weg und der viel raschere heißt: Nehmen wir das bewährte Alte, die Erfahrungen der Altbäume und paaren sie mit dem Elan und den Ideen der Jungbäume.

Das setzt voraus, dass sie erkennen, dass sie durch ihre Wurzeln miteinander verbunden sind. Dass wir alle EINS sind. Und dass die beiden endlich in Dialog treten und gemeinsam den Weg gehen.

Den Weg in die Zukunft der Menschheit.

 

Buchtipp:

Der Wald – ein Nachruf: Wie der Wald funktioniert, warum wir ihn brauchen und wie wir ihn retten können – ein Förster erklärt
Peter Wohlleben
Verlag Ludwig
ISBN 978-3-453-28041-0

Bilderverzeichnis

  • Wald als Indiz intakter Natur?: Peter Habereder | pixabay

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