Ziele hinter den Zielen

Wenn wir uns, was ja besonders im Umfeld oder Nachgang eines Jahreswechsels häufig der Fall ist, Ziele setzen, dann tun wir das, um unsere Wünsche zu erfüllen.  

Wenn ich beispielsweise das Ziel formuliere, dass sich mein monatliches Einkommen doch bitte endlich in den 5-stelligen Bereich hinaufschrauben möge, dann ist das vermutlich kein Selbstzweck, sondern ich will ja mit dem Geld irgendetwas tun. Autos oder Häuser kaufen, auf Reisen gehen, schöne Dinge besitzen. Oder ein Sicherheitsbedürfnis befriedigen. Oder Brunnen in Afrika bauen.

Nehmen wir mal an, das Ziel wird erreicht. Die anfängliche Freude ist möglicherweise groß. Es wird gefeiert – und doch: Die Freude erweist sich oft genug als nicht besonders haltbar. Sie verflüchtigt sich, und neue Ziele tauchen auf,

Es muss nochmal mehr sein. Weiter, höher, schneller. Und diese Spirale kann zu einem ungemein anstrengenden Betriebsmodus werden, der letztlich außer diesen kurzen Erfüllungseuphorien unterm Strich recht wenig Positives ins Leben bringt.

Der begnadete deutsche Dichter und Zeichner Wilhelm Busch hat das schon vor über 100 Jahren so formuliert:

„Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“

Eva Laspas

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Aus diesem Teufelskreislauf aussteigen?

Sich in stiller Selbstgenügsamkeit in eine Ecke zurückzuziehen, in tiefer Meditation zu verweilen und so mit einem seligen Lächeln auf den Lippen warten, dass das Leben vorüberzieht?

Kann man machen – ist aber erstens sicher nicht jedermanns:fraus Sache, und ich hege auch begründete Zweifel daran, dass wir auf dieser Welt zu diesem Zweck inkarniert sind. Da hätten wir doch auch gerne zeit- und ortsungebundene Lichtwesen bleiben können, die in einem Ozean der Beliebigkeit dahinschweben und sich nicht der Mühsal eines Erdendaseins unterziehen. 

Nun sind wir aber schon mal hier. In einem Körper aus Fleisch und Blut, mit Emotionen, Freuden, Ängsten, Nöten und einem – einmal mehr und einmal weniger – wachen Geist. In einer dualen Welt. Mit einem gestern, heute und morgen. Und mit unseren Wünschen und Begehrlichkeiten.

Manche Menschen behaupten zwar, dass das nur eine Illusion ist. Aber ganz ehrlich: Fühlt sich diese Illusion nicht meistens verdammt real an? Und ist es innerhalb dieser Illusion nicht sehr verständlich, Wünsche zu entwickeln und sich aufgrund dieser Wünsche Ziele zu setzen?  

Meiner Erfahrung nach ist es hilfreich, Wünsche, die immer wieder auftauchen, als mögliche Wegweiser zu Sehnsüchten (also tieferliegenden Wünschen) zu begreifen, die sich unter der Oberfläche dessen verbergen, was gerade als primärer Eintrag auf unserem Wunschzettel aufgetaucht ist.

Mit einem Beispiel aus meinem eigenen Erleben würde ich dir gerne erklären, was ich damit meine – und vielleicht hilft es dir dabei, deine eigenen Wünsche und Ziele auf ähnliche Art und Weise zu hinterfragen.

Seit Jahren steht auf meiner Wunschliste eine Weltreise auf einem Luxuskreuzschiff. Im Idealfall in der Owners‘ Suite. Und mindestens 1 Jahr darf das Abenteuer schon dauern.

Natürlich meldet sich dann auch gleich das schlechte Gewissen. Von wegen Umweltverträglichkeit, die bei so einem Vorhaben ja unzweifelhaft gar nicht gut ausschaut. Von Snobismus. Verschwendung von Geld, das doch so viel sinnvolleren Verwendungen zugeführt werden könnte. Von einer Art des Tourismus, der der Welt nicht viel Gutes bringt. 

Und all diesen Einwänden zum Trotz:  Dieser Wunsch ist dennoch da! Und ob ich ihm widerstehen könnte, wenn die richtigen Zahlen bei den Euromillionen die Kassa klingeln lassen würden – ganz ehrlich gesagt: ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß, ist: Dieser Wunsch ist ein Oberflächenwunsch. Und wenn ich jetzt meine ganze Energie auf das Erreichen dieses Ziels lenken würde, und wenn ich es tatsächlich erreichen und mit meiner Liebsten auf diese Reise gehen würde – ohne Zweifel eine großartige Zeit und viele bombastische Erlebnisse.

Und danach: vermutlich danach ein schaler Nachgeschmack. Den könnte ich vermutlich nur dann wieder loswerden, wenn ich meine nun wieder ungebundene Energie auf ein neues Projekt richten würde. Das Haus am Meer, beispielsweise. Die Luxusjacht. Der Privatjet. Und so weiter bis ans vermutlich herzinfarktbedingte Lebensende.

Meine Alternativstrategie: 

Ich setze mich in Ruhe hin und erspüre die Emotionen, die für mich mit dem Bild dieser Reise verbunden sind. Ich taste mein inneres Erleben dieser Vorstellungswelt ab. Und dann komme ich auf: 

  • Ich will meine Entdeckerlust stillen. 
  • Immer wieder neue Orte erleben. 
  • Meine Sinne mit neuen Bildern, Gerüchen, Geschmäckern, Geräuschen füllen. 
  • Spaß haben. 
  • Freundschaften schließen.
  • Dinge tun, die ich vorher noch nie getan habe.

Lust- und freudvoll leben. Genießen. Neues entdecken. Ja – das sind Facetten, die ich gut an mir kenne. Und wahrscheinlich lebe ich sie in meinem Alltag zu wenig, sonst würde sich dieser Kreuzfahrtswunsch nicht immer wieder den Weg in meine Dreambooks und Visionboards bahnen.

Es ist also eine Projektion eines Bedürfnisses, das ich mir zu wenig zugestehe und erfülle. Ich konstruiere eine aufgeblasenen Variante, die nicht unmittelbar umsetzbar ist, sondern in eine unbestimmte Zukunft abgeschoben wird. Und das hat ja durchaus auch praktische Seiten, denn dann kann ich wieder einmal auf etwas der Ferne hoffen, anstatt hier und jetzt aktiv zu werden, und mein Leben mit den Inhalten zu füllen, die ich möchte.

Um den Preis, den Veränderung halt nun mal hat: Eigenverantwortung und Aufgeben der Opferrolle. Ein klares Hinschauen auf die Lebensumstände, die sich im Lauf der Zeit eingeschlichen haben. Die Bequemlichkeit des Beibehaltens aufgeben, ausmisten und Ordnung schaffen. 

Eva Laspas, Herausgeberin

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Starker Tobak? 

Ja, ich denke schon.

Aber hinter einem ersten Erschrecken bringt diese Einsicht auch eine große Erleichterung mit sich. Es ist wie eine Last, die von meinen Schultern abfällt.

Je klarer ich die Bedürfnisse erkennen kann, die hinter meinen Oberflächenwünschen erfüllt werden wollen, desto klarer kann ich mein Alltagsleben danach ausrichten. Die Kreuzfahrt muss es dann gar nicht mehr sein. Das bewusste Erleben eines Orts, der nicht allzu weit von meiner Haustür entfernt liegt (und davon gibt es in reichem Maße).

Das Kochen eines Gerichts, das ich noch nie gegessen habe. Neue Musik hören, die meine Ohren vielleicht sogar vor Herausforderungen stellen, weil sie die Bahnen des Gewohnten verlassen. So viele Möglichkeiten, die ich mehr oder weniger augenblicklich ergreifen kann, ohne dazu einen enormen äußeren Aufwand treiben zu müssen.

Ob es mich in diesem Leben noch einmal auf ein Kreuzfahrtsschiff verschlagen wird? Ich weiß es nicht. Aber wenn ich auf meine grundlegenden Bedürfnisse schaue, wird mein Lebensglück nicht davon abhängig sein.

Maximilian Buchmayr - Spezialist dafür, was nicht funktioniert

Maximilian Buchmayr

Experte für Potenzialentfaltung und Wunder

„Wie kann ich die Kluft zwischen Vision und Realität überwinden?”

www.glueckswege.net/

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