Gebet, Meditation und Bewegung

Das Bild, das viele Menschen vor sich haben, wenn sie an Meditation oder Gebet denken, ist vermutlich ein ziemlich statisches. Ein Zen-Praktizierender, der mit geschlossenen Augen im Lotussitz stundenlang regungslos vor einer weißen Wand sitzt.

Eine Nonne, die in einer halbdunklen Kirche auf einer Gebetsbank kniet, die einzige wahrnehmbare Bewegung ist vielleicht die Rosenkranzkette, die langsam, Perle für Perle durch ihre Finger gleitet.

Wahrnehmung des inneren Raums

Stille und körperliche Bewegungslosigkeit bei z.B. einem Gebet, können einen guten Rahmen für die Wahrnehmung des inneren Raums bilden. Allerdings: Nicht alle Menschen haben dazu einen guten Zugang. Und glücklicherweise ist dieser Zugang auch nicht der einzige, den es zu spirituellem Erleben gibt.

Viele SeminarteilnehmerInnen kennen die mittlerweile fast zum klassischen Repertoire der zeitgenössischen spirituellen Szene gehörigen bewegten Meditationen, die der spirituelle Lehrer Osho in den 70er Jahren entwickelt hat. Die bekannteste ist die „Dynamische Meditation“, wo es ganz und gar nicht leise und unbewegt zugeht.

Da wird gesprungen, gekeucht und geschrien, und wer diese Methode nicht kennt, wird den Anblick, den eine Gruppe von Praktizierenden dieser Meditation bietet, wohl eher mit Befremden zur Kenntnis nehmen. Viele Menschen, die sich auf dieses Abenteuer eingelassen haben, berichten aber sehr wohl davon, dass diese ziemlich anstrengende Prozedur innere Prozesse aufruft, die Bewusstseinserfahrungen ermöglicht, die über die Alltagserfahrung weit hinausgehen.

Die Verknüpfung von Spiritualität und körperlichem Erleben

Eine neuzeitliche Eigenart also? Keineswegs? Die Verknüpfung von spiritueller Erfahrung und körperlichem Erleben ist in vielen Traditionen bekannt und ein oft genützter Bestandteil des Praxiswegs.

Einige Beispiele dazu: Im Buddhismus steht ganz am Anfang der sogenannten „Vorbereitenden Übungen“, die „Niederwerfung“. Eine ziemliche Herausforderung, denn – wenn man den klassischen Weg des Vajrayana beschreitet – wird diese Übung sage und schreibe 100.000 mal wiederholt. Das dauert (wenigstens bei normal fitten Praktizierenden, die auch noch andere Aktivitäten in ihren Tagesablauf einbauen müssen) Monate, wenn nicht gar Jahre.

Oder der Drehtanz der Sufis, der in eine tiefe Trance führt und dazu dient, jenseits des Alltagserlebens in eine unmittelbare Verbindung mit Gott zu treten.

Und auch im Christentum gibt es durchaus dynamisches: Die Shaker beispielsweise, eine religiöse Bewegung die im 18. Jahrhundert in Nordamerika entstand. Auch hier wurde die Verbindung zu Gott durch ekstatische Praktiken gesucht, die Zustände hervorrufen sollten, in denen sich der Geist Gottes unmittelbar im Geist der Praktizierenden offenbart.

Religionswissenschaftler könnten diese Aufzählung vermutlich über viele Seiten fortsetzen – doch darum geht es mir in dieser Betrachtung gar nicht. Ich finde die Frage spannend, wie wir mit Hilfe von Bewegung und körperlicher Aktion in Resonanz mit unserer spirituellen Praxis einen Synergieeffekt erzielen können, der unser Erleben intensiviert, unsere Erfahrungen, die wir auf spiritueller und emotionaler Ebene machen, verankern und damit „ganzer“ machen können.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die intensivsten Erlebnisse und Erfahrungen, die ich in dieser Richtung machen durfte, durch selbst entworfene Rituale möglich waren. Und daher möchte ich an dieser Stelle auch keine konkrete Methode teilen, sondern dir einige Anregungen geben, wie du dir aus einigen einfachen Bestandteilen deinen individuellen Cocktail mixen kannst, der dich in deiner spirituellen Entwicklung gut unterstützt und dir möglicherweise Türen öffnet, die du sonst möglicherweise allzu oft verschlossen vorfindest.

Eva Laspas

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1. Text

Du kannst ein Gebet, einen Satz, ein Mantram verwenden. Musst du aber nicht – und das gilt für alle diese Bausteine. Keiner davon ist unverzichtbar. Experimentiere nach Lust und Laune damit, was für dich welche Resultate hervorbringt. Wenn du ein Gebet verwendest, kannst du natürlich einen Text verwenden, der in deiner Tradition verwendet wird. Oder du schreibst diesen Text selbst für dich.

2. Körperposition

Ich habe gute Erfahrungen damit, dem Körper zu Beginn einmal „freien Lauf“ zu lassen. Wenn ich einen Text verwende, dann spreche ich ihn langsam, meist mit geschlossenen Augen, ich beginne im Stehen, und mein Körper beginnt ganz natürlich Bewegungen zu den einzelnen Wörtern oder Sätzen zu finden.

Oft geschieht es dann wie von selbst, dass sich bestimmte Bewegungen wiederholen, dass sich Bewegungsmuster und -abläufe bilden, die gerne wiederholt werden möchten, und es kann sein, dass sich daraus dann ein Bewegungsritual bildet, dass ich mit diesem Satz oder Text verknüpfe. Dieses Ritual begleitet mich dann einige Zeit in meiner Praxis, manchmal wochen- oder sogar monatelang, und dann darf es sich auch wieder verändern, oder es wird durch einen anderen Bewegungsablauf ersetzt.

3. Musik

Ich verknüpfe meine Praxis auch noch sehr gerne mit Musikstücken, die mich emotional mitnehmen. Auch da gilt: Finde das, was dir guttut. Und lass deiner Fantasie da wirklich freien Lauf. Mein Spektrum reicht von Trommelmusik über Esoklänge, klassischer Musik bis hin zur Titelmelodie aus „Pipi Langstrumpf“.

Wenn du ohne Text beginnen magst, weil dich da gerade nichts berührt: Ein intuitiv gewähltes Musikstück und die freie Bewegung des Körpers ist oft ein sehr guter Ausgangspunkt, der dich auf eine Reise führen kann, die du zu Beginn gar nicht erahnen konntest.

Wenn du noch eine Anregung haben möchtest, weil die Ideen noch nicht so sprudeln, stelle ich dir hier gerne einen Link zu einer meiner Lieblingsbewegungen zu Verfügung. Probiere es ruhig einmal aus, aber hab dabei immer im Hinterkopf, dass es nicht darum geht, etwas nachzuahmen, sondern deine eigene Form zu finden.

Ich wünsche dir viel Freude beim Experimentieren bei deinem „Gebet in Bewegung“. Spüre die Freiheit, die durch dieses „Spiel ohne Regeln“ entsteht. Und nimm wahr, was sich innerhalb dieser Freiheit für Strukturen bilden, denen du dann eine Zeit lang folgen darfst. Und sie dann wieder ziehen lässt. So wie das Leben eben stattfindet…

Eva Laspas, Herausgeberin

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Maximilian Buchmayr - Spezialist dafür, was nicht funktioniert

Maximilian Buchmayr

Experte für Potenzialentfaltung und Wunder

„Wie kann ich die Kluft zwischen Vision und Realität überwinden?”

www.glueckswege.net/

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