“Ich brauch dich so!” – Liebesschwur oder gefährliche Drohung?

I need you so,
To keep me happy.
If I can’t have you
I cannot go on.

Was Elvis Presley in diesem Song von 1957 mit schmalziger Stimme ins Mikrofon schmachtet, greift ein Thema auf, ohne das die Weltliteratur um viele Glanzlichter ärmer wäre.

  • Romeo und Julia fallen einem tragischen drogeninduziertem Missverständnis zum Opfer. 
  • Werther greift zur Pistole, weil er die Liebe Lottes nicht erringen kann.
  • Wagner lässt seine Isolde nur ein paar Minuten überleben, nachdem Tristan seinen Wunden erlegen ist – musikalisch wunderschöne Minuten immerhin, aber dann ist es vorbei mit ihr, weil sie ohne ihren Geliebten nicht leben kann. 

Quer durch alle Genres und Epochen ist der Liebestod wahrscheinlich eines der häufigsten Motive überhaupt. Und da Literatur und Kunst ja vermutlich schon auch etwas mit unserem normalen Leben zu tun haben, stellt sich die Frage, wie weit sich dieses Bild von Liebe in unseren Beziehungen wiederfindet.

Ein Liebesschwur ist fragil

Die Gegenposition zu dieser Einstellung ist den meisten LeserInnen dieses Artikels sicher wohlbekannt. Viele Beziehungs-, Glücks- und sonstige Ratgeber haben das dankenswerterweise schon umfangreich ausgeführt: Jeder Mensch ist für sein eigenes Glück verantwortlich.

Dieses Glück in vollständige Abhängigkeit von der Gunst eines anderen Menschen zu stellen, ist eine Strategie, die sehr fragil und damit fragwürdig ist.

Aber selbst, wenn man’s ja eigentlich weiß: Die Versuchung, sich in die scheinbar so bequeme Hängematte des Glücks-Outsourcings legen zu wollen, taucht immer wieder auf.

Diese Verantwortlichkeit für das eigene Glück kann man natürlich an verschiedenen Stellen platzieren – Beruf oder Kontostand sind beliebte Alternativen zu Beziehungsspielen. Aber ich glaube nicht, dass Partnerschaften in diesem Ranking ernsthaft in Gefahr sind, die unangefochtene Führungsposition zu verlieren.

Ich verwende in meinen Coachings zu diesem Thema sehr gerne das Bild der Beziehung als Kartenhaus. Man lehnt sich aneinander an. Klingt ja erstmal nicht so schlecht.

Aber das Problem ist: Sehr stabil ist diese Konstruktion nicht.

Wehe, einer der Partner kommt auf die Idee, sich ein bisschen bewegen zu wollen. Dann gerät das Beziehungsgebäude ins Wanken. Der/die andere muss sich zwangsläufig mitbewegen, ob er/sie will oder nicht. Und der Spielraum ist so gering, dass das Kartenhaus häufig die Bewegung nicht überlebt und in sich zusammenstürzt.

Und die Alternative?

Die erwachsene Alternative zu dieser Beziehungsform: Jeder steht für sich. Es gibt Nähe. Es gibt Freiraum. Gemeinsame Spielwiesen und Bereiche, in denen jeder für sich sein darf.

Die Beziehung darf ruhig und entspannt atmen und wenn der Partner / die Partnerin einmal ein wenig mehr Zeit und Raum für sich braucht, bricht beim Gegenüber nicht gleich die ultimative Lebenskrise aus.

Klingt doch sehr vernünftig und verlockend, oder?

Ist aber in der Praxis doch manchmal nicht so leicht umzusetzen, wenn der Gegenwind des Lebens wieder einmal heftig bläst. Und das Bedürfnis nach einem sicheren Hafen, in den man einlaufen und sich vor den Widrigkeiten der bösen Welt schützen kann, sich stark in den Vordergrund drängt.

Wir sind nicht immer nur stark, erwachsen, achtsam und optimalerweise erleuchtet – und ich denke, dass das allen Selbstoptimierungsbestrebungen zum Trotz auch gar nicht unser Job in dieser Welt ist. Wie können wir also in unseren Partnerschaften Unterstützung für unsere „schwachen Momente“ finden, ohne die Beziehung damit allzu sehr zu belasten?

Drei Komponenten sind für das Gelingen dieser Quadratur des Kreises sehr hilfreich:

1. Reflexion und Achtsamkeit

Je klarer ich mir selbst darüber bin, welche Bedürfnisse ich gerade habe und wo es gerade energetische Löcher zu füllen und emotionale Wunden zu heilen gibt, desto leichter ist es, die Fallen von unbewusster Projektion und Erzeugen von Co-Abhängigkeiten zu vermeiden.


2. Kommunikation

Die Bewusstheit über ein Defizit oder ein Bedürfnis löst zwar das Problem noch nicht, aber es stellt bereits eine gewisse Distanz dazu her.

Ich bin dann nicht mehr hilflos einem Drama ausgeliefert, sondern kann mich mitteilen.

Das heißt, ich kommuniziere klar mit meinem Gegenüber, was sich bei mir abspielt und was ich mir für Unterstützung wünsche. Und dann ist es meistens sehr leicht, diese Hilfestellung auch zu bekommen.

Wie das in der Praxis ausschauen kann?

Oft sehr einfach: „Ich bin gerade traurig / schwach / wütend – kannst du mich mal 5 Minuten in den Arm nehmen?“.

Oder: „Bitte lass mich jetzt mal bei dir 10 Minuten Dampf ablassen!“

Es macht einen Riesenunterschied, wenn das ausgesprochen wird und einen Zeitrahmen bekommt. Man kann in diese Situation hineingehen, wie in ein Rollenspiel – und auch dadurch bekommt das Drama meist schon wieder einen Hauch von Leichtigkeit.


3. Lachen

Wenn man sich in dieses Rollenspiel wirklich voll hineinfallen lässt, stellt sich sehr oft sehr schnell ein befreiendes Gefühl ein.

Was vor ein paar Minuten noch wie ein Riesenmonster im Raum gestanden ist, schrumpft deutlich, stellt sich manchmal als Schoßhündchen heraus oder verschwindet überhaupt. Lösungen tauchen auf und ich habe auch oft erlebt, dass sich das Drama zu Komödie verwandelt und in ein befreiendes Lachen mündet.

Funktioniert das immer? 

Nein, wir sind Menschen, und manchmal gibt es Situationen, in denen unsere Bemühungen nicht unmittelbar die Resultate liefern, die wir uns erhoffen.

Aber häufig klappt’s – und diese Erfahrungen können uns dann dabei helfen, auch Wegstrecken zu überwinden, wo doch wieder einmal eine Falle zugeschnappt hat.

Maximilian Buchmayr - Spezialist dafür, was nicht funktioniert

Maximilian Buchmayr

Experte für Potenzialentfaltung und Wunder

„Wie kann ich die Kluft zwischen Vision und Realität überwinden?”

www.glueckswege.net/

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