Selbstreflektion der Schatten – abgelehnte Teile unserer Psyche

Hier ein kleines Beispiel, wo sich Selbstreflexion lohnt ...

„Die Tür fliegt zu, schlägt krachend ins Schloss.

Mein Mann ist mal wieder wütend aus dem Zimmer gerannt.

Ich hatte ihm nur kurz gesagt, dass ich finde, dass er sich nicht mehr wirklich um mich bemüht. Ich bin echt traurig, weil er mich kaum noch wahrnimmt. Das ärgert mich auch sehr.

Klar, in letzter Zeit war es vielleicht einfach ein bisschen viel.

Er arbeitet lange, hat wenig Zeit und Energie und wenig Lust auf Zweisamkeit. Ist dauergestresst. 

Ja und dann kommen seine weniger schönen Seiten eben sehr deutlich zutage - ich versuche ihm dann immer mal wieder dezent zu sagen, was er verbessern könnte, was ich mir für ihn wünsche. 

Aber ehrlich gesagt, wird es nur schlimmer statt besser. Sobald ich auch nur eine Kleinigkeit über ihn sage, flippt er richtig aus. Wird wütend und harsch.

Ich weiß echt inzwischen nicht mehr, ob wir da nochmal rauskommen. 

Wenn er etwas sagt, dann, dass ich ihn ständig kritisiere, dass er das Gefühl hat, ich lasse kein gutes Haar mehr an ihm. Ich soll endlich aufhören, sagt er. 

Aber dann bleibt alles beim Alten, dann steht unsere Beziehung still. Ich will doch nur, dass sich unser Verhältnis wieder verbessert, dass wir wieder zusammenfinden. Wenn ich einfach still bin, bewegt sich doch gar nix mehr. Das bringt uns doch auch nicht weiter.

Was soll ich denn bloß machen?“

Selbstreflexion, wenn der Partner spinnt?

Vielleicht hast du grade beim Lesen gedacht, das kenn ich doch irgendwoher? 

Viele Paare, die zu mir ins Coaching kommen stecken in dieser Dynamik fest. Die Partner haben sich auf das Fehlverhalten des anderen eingeschossen, sie glauben, dass sie genau wissen, was fehlt, damit alles wieder in Ordnung kommt. Am Anfang sind es vielleicht dezente Hinweise, später wachsen sie sich zu konkreten Beurteilungen und anschließend auch zu Forderungen aus. 

Und eins ist garantiert: Es wird schlimmer statt besser.

Aber was sehen Beziehungspartner dann grade nicht. Sie wollen meist das Beste, aber kriegen es einfach nicht mehr hin. Was übersehen sie?

Sie übersehen ihren Schatten und, dass Veränderung immer nur von uns selbst ausgehen kann. 

Was aber ist dieser Schatten?

Nach C.G. Jung ist der Schatten ein Sammelsurium aus abgelehnten Teilen unserer Psyche: Das können zum Beispiel unterdrückte Emotionen, beängstigende Impulse, verdrängte oder ungeliebte Anteile von uns sein, die wir sozusagen unter dem Deckel halten. Die nicht an uns sein dürfen.

Genauso können es große Aspekte von uns sein, die wir ablehnen, weil wir glauben, so dürften wir nicht sein oder das stünde uns nicht zu. 

Dein Schatten ist also der Ort, an den du alle die unliebsamen Dinge abgeschoben hast. Dadurch sind diese Anteile aber nicht weg, sie schlummern nur in dir und warten darauf integriert zu werden. Der Schatten will ans Licht, wenn du so willst. 

Alle Anteile an dir wollen SEIN dürfen. Das heißt ja nicht, dass sie dir gut gefallen oder du sie alle ausleben musst. Aber wenn du sie da sein lassen kannst, steht dir die Energie, die das Verdrängen kostet wieder zur Verfügung. 

Freiheit und Selbstachtung kommen zu dir zurück. Und du kannst eine weisere Wahl treffen, wie du handeln möchtest.

Selbstreflexion ist der Weg: Was heißt das nun für meine Klientin?

Unser Schatten ist nicht nur eine Idee, er meldet sich bei uns in starken emotionalen und körperlichen Reaktionen. Also immer, wenn wir sehr stark reagieren ist ein Aspekt unseres Schattens getriggert. 

So wie bei meiner Klientin. Sie denkt, sie muss ihren Mann ändern. 

ER ist das Problem. 

Sie erkennt noch nicht, dass das Verhalten ihres Mann nur etwas in ihr berührt, etwas triggert, wie man sagt. 

Ich lade Menschen in dieser Situation ein, ihren Schatten neugierig zu erforschen. Das braucht Mut und Selbstreflektion. 

Es ist kein oberflächliches Wegmachprogramm, es ist ein lebenslanger Weg, der uns immer mehr mit uns in Einklang kommen lässt. Der uns jede Menge Heilung und Frieden schenkt.

Meine Klientin würde ich im Wesentlichen durch folgende Schritte führen: 

Eva Laspas

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5 Schritte der Selbstreflexion deiner Schatten

1) Wahrnehmen:

Hier geht es zunächst darum, immer bewusster wahrzunehmen, wann und wie genau du getriggert wirst. Wann du ganz stark auf jemanden oder etwas reagierst.

  • Welche Situationen sind es? 
  • Welche Verhaltensweisen? 
  • Was ist es genau?

Ich lade meine Klientin ein anzuerkennen, dass es immer IHR Schatten ist, auf den sie gerade reagiert. 

Das könnte meine Klientin dazu sagen:

„Mein Mann sieht mich gar nicht mehr, er ist ignorant, nimmt mich kaum noch wahr, das macht mich extrem wütend und traurig!“

2) Untersuchen:

Was hat dieser Trigger genau mit Dir zu tun? 

Hier würde ich meine Klientin bitten, folgende Frage wirken zu lassen: 

  • Wie steht es um dein Verhalten?
  • Welcher Aspekt deiner Psyche möchte ans Licht?

Konkret: Bist du achtsam und liebevoll mit deinem Mann? Oder hat sich auch bei dir eine Oberflächlichkeit eingeschlichen, die du dir aber vielleicht nicht eingestehen möchtest?

Nach einigem Nachdenken könnte meine Klientin antworten:

„Nun ja…Ich mäkele schon oft an meinem Mann herum, sehe das Negative an ihm, und klar, dann mag ich mich auch nicht mehr so sehr um ihn bemühen, weil ich schlussfolgere, dass er das gar nicht mehr verdient. Nein, dann bin ich nicht liebevoll. Ich werde innerlich wütend, ärgere mich - dann bin ich eher abweisend.“

3) Integrieren:

Kannst du vielleicht erkennen, dass es dein eigener ungeliebter Anteil ist, den du im außen siehst? Bist du willig und bereit, diesen Aspekt jetzt an dir anzunehmen, ihn so sein zu lassen? 

Wenn das gelingt, wirst du friedvoller. Du erkennst, dass ALLES in dir ist. Das heißt ja nicht, dass du alles ausleben musst oder sollst. Nein, du musst es nur nicht mehr unterm Deckel halten. Und wenn es dir dann da draußen (bei deinen Mitmenschen) begegnet, brauchst du es nicht mehr zu bekämpfen.

Meine Klientin könnte erkennen:

„Logisch ist mir klar, dass das ich manchmal nicht gerade freundlich mit meinem Mann umgehe. Das find ich nicht so toll an mir. Und die Wut und den Ärger, den ich da in mir spüre, ist mir auch unangenehm. Aber ich bin halt auch keine Heilige.“

4) Wähle weise:

Du kannst die Situation/das Geschehene dann aus einer Energie der Ruhe heraus sehen statt wie gewohnt zu reagieren und dich fragen, wie du angemessen und vor allem deinen Werten entsprechend mit der Situation umgehen kannst und möchtest.

Klientin:

„Ich möchte nicht mehr dauern rummeckern. Ich werde versuchen, meinen Mann wieder verständnisvoller und liebevoller zu begegnen. 

Ich praktiziere nun Achtsamkeit, damit ich gegenwärtiger und präsenter werde. 

Wenn es etwas gibt, was mir auf dem Herzen liegt, dann bitte ich meinen Mann um Zeit für ein gemeinsames Gespräch. Dort spreche ich davon, was ich mir für unsere Beziehung wünsche. Ich spreche auch über meine Schatten. Gemeinsam stecken wir uns kleine attraktive Ziele, die wir zusammen umsetzen möchten.“

5) Bedanke dich und schließe Frieden:

Sei dankbar für die wertvollen Lektionen deines Schattens. Die Erde ist ein Lernplanet. Wir werden unseren Schatten niemals vollständig auflösen können. Das ist gar nicht das Ziel. Der Schatten ist Teil von dir. Richte das Licht des Bewusstseins darauf und erhelle diesen Part deines Seins immer mehr. Sei milde mit dir, du musst nicht gleich alles transformieren. Nimm dir die Zeit, die du brauchst. 

Klientin:

 „Es ist einfach genial - und so einfach, wenn man das mit dem Schatten einmal verstanden hat. Leicht ist es nicht, es braucht immer wieder Überwindung-das stimmt. 

Mein Mann hat sich letztens bei mir bedankt, er findet es toll, dass ich nicht mehr ständig an ihm rumnörgle. Er lächelt mich wieder häufiger an und hat wieder viel mehr Interesse an mir.“

Ich merke, wie gut es mir damit geht, dass ich zu meinen eigenen dunklen Anteilen stehen kann. Ich muss mich nicht über andere erheben und besser sein. Ich darf auch mal wütend sein. Da ist eine Last von meinen Schultern gefallen. Manchmal mag ich meinen Schatten jetzt sogar richtig gerne.“

Und du? Wann startest du mit Selbstreflexion deiner Schatten?

Vielleicht bist du ja neugierig geworden und magst die Schritte auf deine Triggerpunkte in einer Situation anwenden?

Ich mag dich dazu ermutigen. 

Schattenintegration bereichert und befreit dich ungemein! Wenn du etwas Verdrängtes nach Hause holen kannst wirst du ein Stückchen ganzer. 

Alles, was uns in unserem Gegenüber begegnet sind maßgeschneiderte Lernbotschaften für dich. 

Sei mutig und werde vollständiger, freier und kreativer. 

Umarme Dein ganzes Menschsein und gehe Deinen Werten entsprechend voran. 

Warte nicht darauf, dass der oder ein Prinz Dich wachküsst. Steh auf und gib Du den Kuss. Das Leben ist auf Deiner Seite!

Dr. Gabriele Klaus - Expertin für Beziehung- und Liebesbeziehung

Dr. Gabriele Klaus

Expertin für Beziehung- und Liebesbeziehung 

„Wie erschaffe ich durch meine Kommunikation meine Realität?”

dr-gabriele-klaus.de/

Erforsche neugierig deine inneren Schattenanteile
5 Schritte - Selbstreflexion der inneren Schatten
Was geht mich das an, wenn der Partner spinnt?

Bilderverzeichnis

  • Eva Laspas: Bildrechte beim Autor
  • Erforsche neugierig deine inneren Schattenanteile: Gabriele Klaus
  • 5 Schritte – Selbstreflexion der inneren Schatten: Gabriele Klaus
  • Was geht mich das an, wenn der Partner spinnt?: Gabriele Klaus
  • Selbstreflexion der Schatten: Gabriele Klaus

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