Leb Wohl, Schlaraffenland

Cover Buch

Die Kunst des Weglassens

Rezension des gleichnamigen Buches von Roland Düringer, Clemens G. Arvay

Nur sieben Monate nachdem der bekannte österreichische Schauspieler Roland Düringer seinen Ausstieg aus den Systemen begann, wird sich dieses Buch geplant. Es ist als Gespräch zwischen Roland und Clemens G. geführt und ausdrücklich kein Buch über Roland – sondern über Gleichgesinnte – „über die Menschen, die auf der Suche nach dem „Guten Leben“ sind und das selbstständige Denken nicht verlernt haben.“

Und es ist ein gutes Buch – humorig, manchmal weitschweifig, recht häufig bissig aber absolut gerechtfertigt. Roland nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Und es stecken wunderbare tiefe Weisheiten darin. Wenn man sie wahrnimmt und nicht darüber liest. Diese Wahrheiten sind nämlich gar nicht bequem. Denn sie möchten uns aufwecken, aufrütteln aus dem trägen Zustand, den wir uns mühsam „erarbeiten“ mit Ablenkungen diverser Art. Alles nur nicht hell wach sein… Dabei ist es längst an der Zeit aufzuwachen und tätig zu werden.

Es ist, wie Roland schreibt: „… Du spürst, dass etwas aus der Balance ist, – dass sich ein Sturz ankündigt, aber du bist ohnmächtig, etwas dagegen zu unternehmen, weil es dein Betriebsmodus jetzt einfach nicht zulassen will.“

Um in einen anderen Modus zu kommen, rät er „zur Ruhe zu kommen“. In der Ruhe bekommen wir die Möglichkeit, unser Treiben etwas mehr von außen zu beobachten. Wir gelangen in der Ruhe in einen anderen Modus.

Natürlich hat Roland mit seinem „Aussteigerjahr“ Menschen wach gerüttelt. Da gibt es die, die ihm zustimmen, die die ihn für verrückt erklären und die anderen, die sonst noch etwas zu sagen haben. Wenn so etwas jemand macht, der bekannt ist, dann bekommt er mehr Aufmerksamkeit als „du“ und „ich“ von der „Straße“. Es ist gut, dass sich bekannte Menschen trauen, „anders“ zu leben, ihr Wort zu erheben, denn so können „du“ und „ich“ sagen: „Schau, wenn er sich traut, wo er doch im Rampenlicht steht, wenn er sich das traut und nicht untergeht – dann können wir das doch auch?!“ Und wir brauchen viele Menschen, die in sich eine Änderung zulassen. Viele, die ein anderes Leben wünschen und ersehnen, als das, was uns als wünschenswert zu leben vorgespielt wird.

Wir haben Angst davor „anders“ zu sein, als die Anderen. Roland schreibt darüber, dass sich Menschen über seine Bartkugeln unterhalten. „Ich glaube, das äußere Erscheinungsbild von Menschen ist uns so wichtig, weil wir einfach gelernt haben, für die anderen zu leben. Wir opfern unser Lebensglück den anderen, selbst denen, die wir gar nicht so schätzen. Wir spielen einander ständig etwas vor, möchten anerkannt, akzeptiert, lieb gehabt werden. Deswegen wollen wir nicht unangenehm auffallen. Dass aber, würden wir eines Tages einmal alle auffallen, kein einziger Mensch mehr „auffällig“ wäre, übersehen wir dabei… Ich persönlich sehe das „Anerkennung suchen“ als negativ. Brauche ich wirklich die Bestätigung durch jemanden anderen, um zu wissen, wer oder was ich eigentlich bin?“

 

Der Grund unseres Daseins

Roland Düringer: „ … Es könnte doch sein, dass wir durch unser Menschsein der Natur die Möglichkeit geben, sich selbst zu sehen oder von jemandem gesehen zu werden… Es könnte weiterhin eine unserer Funktionen in diesem Spiel „Leben“ darin bestehen, die Schönheit der Natur zu erkennen und wahrzunehmen… Was gäbe es Schlimmeres, wenn man die Schönheit, die rund um uns herum existiert, nicht wahrnehmen kann, weil man nur lebt, um zu arbeiten? Das wäre für mich ein Unglück. Wobei ja viele Menschen glauben , sie arbeiten, um zu leben.“

Er hält es für weitaus wichtiger, sich bewusst zu machen, dass wir eines tages sterben werden. Wir sollten das immer vor Augen haben. Der Tod trifft jeden von uns, und ich glaube, dass die meisten Menschen diese Tatsache verdrängen. Dabei ist es wichtig für den, der zurück bleibt, sich verabschiedet zu haben…

… Angst sollte man vor dem haben, was man uns vor unserem Tod noch antun könnte. Angeschlossen an lebenserhaltende Maschinen, vollgepumpt mit Chemie – das ist keine schöne Vorstellung eines Lebensabends… Die Frage, die ich mir stelle, ist: „ Was kann ich tun, um so zu leben, dass das Streben keine Qual wird, dass es ein Übergang wird und nicht ein Jammern…“

Wir mögen uns auch fragen, ob wir dem Leben gedient oder ihm geschadet haben. Es geht nicht darum, was wir alles geschafft haben, wie viele Medaillen wir gewonnen haben. Solche Errungenschaften führen zu keinem besonders befriedigenden Lebensrückblick, wenn es einmal für uns so weit ist. Denn wenn es dein Lebenszweck ist, dem Leben zu dienen, du aber am Ende feststellen musst, dass du den Zweck verfehlt hast, dann ist das ein anderes Sterben, als wenn du feststellen kannst, deinem Herzen gefolgt zu sein.

Das Schlimmst, das uns im Augenblick des Loslassens passieren kann, ist die Angst, ob wir nun „nach Oben“ oder „nach unten“ kommen. Ob wir nun schlechtes „Karma“ angesammelt haben. Wenn wir mit Betteln und Wimmern gehen, „Herr Pfarrer, geben Sie mir meinen letzten Segen!“ diese furchtbare Angst, die macht uns das Sterben schwer. Das alles ist Unsinn. „Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Spiritualität und Religion: Der spirituelle Mensch möchte entdecken und erkennen, der religiöse Mensch möchte belohnt werden.“

Das einzige, was wirklich gewiss ist, ist das Leben selbst. Das ist es jetzt, in diesem Moment, wo wir gerade hier beisammen sind. Die einzige „Hölle“ die es gibt, ist die, die wir uns Menschen hier auf Erden machen, damit wir dann in den „Himmel“ kommen. Viel wichtiger ist es, im Leben viele unterschiedliche Erfahrungen zu machen. Denn dann ist es egal, wann unsere letzte Stunde schlägt, egal wie lange das Leben gedauert hat und wir können in dem Wissen, uns in Vielem ausprobiert zu haben, beruhigt loslassen.

Und hier ist nun auch schon die Botschaft, die wir uns aus diesem Buch mitnehmen können: Leben Sie los! Jetzt und mit ganzem Herzen! Vergnügt, lebendig und voller Tatenkraft.

———————-

Liebe Leserin, lieber Leser,
hat Ihnen der Artikel geholfen? Dann freue ich mich über eine Spende für die erbrachte Leistung.
Herzlichen Dank!


Mein Dankeschön für diesen Artikel



Buchtipp:

Leb wohl, Schlaraffenland: Die Kunst des Weglassens

Roland Düringer, Clemens G. Arvay
edition a
ISBN 978-3-99001-065-5

 

Bilderverzeichnis

1 Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar:


Damit wir Ihnen ein besseres Lesevergnügen bereitstellen können, sammelt ein Statistik-Plugin einige anonymisierte Daten - welche Artikel am meisten gelesen werden, in welcher Reihenfolge, wie lange unsere Leser auf den Seiten bleiben und bei welcher Seite sie die Webpage verlassen - im Einklang mit der DSGVO. Wenn Sie das nicht wünschen, wird für zukünftige Besuche ein Cookie in Ihrem Browser gesetzt, damit Ihre Entscheidung für ein Jahr gemerkt wird. Akzeptieren, Ablehnen
764